Digitale Souveränität ist nicht nur eine Eigenschaft von Software. Sie entsteht durch strategische Entscheidungen darüber, wie digitale Infrastruktur ausgewählt, betrieben und weiterentwickelt wird.
Bereits mit der Leistungsbeschreibung legen öffentliche Auftraggeber wichtige Rahmenbedingungen fest: Wie offen lässt sich eine Lösung in bestehende Infrastrukturen integrieren? Welche Wechselmöglichkeiten bestehen? Und welche Handlungsspielräume bleiben langfristig erhalten?
Open Source bietet dafür eine besonders geeignete Grundlage. Offener Quellcode, weitreichende Nutzungs- und Weiterentwicklungsrechte stärken Transparenz, Kontrolle und Gestaltungsfähigkeit. Welche Rolle Open Source grundsätzlich spielt, erläutert unser Beitrag „Digitale Souveränität und die Rolle von Open Source“.
Begriffe wie Offenheit, Unabhängigkeit oder digitale Souveränität müssen in Ausschreibungen konkret und überprüfbar werden. Dazu können beispielsweise gehören:
Open Source schafft wichtige Voraussetzungen für Interoperabilität, unabhängige Weiterentwicklung und einen Wechsel zwischen unterschiedlichen Anbietern. In der Ausschreibung muss nachvollziehbar dargelegt werden, weshalb diese Eigenschaften für den konkreten Auftrag erforderlich sind.
Warum die öffentliche Beschaffung ein wichtiger Hebel für digitale Souveränität ist, zeigt auch unser Beitrag zum European Technological Sovereignty Package.
Eine Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages zur Beschaffung von Open-Source-Software kommt zu dem Ergebnis: Eine Beschränkung des Auftragsgegenstands auf Open-Source-Software kann vergaberechtlich zulässig sein, wenn sie durch objektive, auf den konkreten Auftrag bezogene Anforderungen gerechtfertigt ist. Dazu können etwa IT-Sicherheit, Interoperabilität, eigenständige Weiterentwicklung oder die Vermeidung von Vendor-Lock-in zählen.
Die Anforderungen müssen aus dem tatsächlichen Bedarf hervorgehen, verhältnismäßig sein und nachvollziehbar dokumentiert werden. Eine rein politische Präferenz reicht bei Vergaben oberhalb der EU-Schwellenwerte dagegen nicht aus.
In der Regel ist zudem die Möglichkeit gleichwertiger Lösungen zu berücksichtigen. Ob eine Lösung gleichwertig ist, richtet sich nach den in der Leistungsbeschreibung festgelegten Anforderungen. Neben dem Funktionsumfang können dazu auch Datenportabilität, Nutzungsrechte, offene Schnittstellen, Wechselmöglichkeiten und langfristige Gestaltungsfreiheit gehören.
Die Folgen einer Beschaffungsentscheidung zeigen sich häufig erst bei Wartung, Erweiterungen oder einer Migration. Verfügt ausschließlich der ursprüngliche Hersteller über notwendige Rechte oder proprietäres Wissen, kann der Wettbewerb bei späteren Aufträgen erheblich eingeschränkt sein.
Wie Vendor-Lock-in entsteht und wie Open Source dazu beitragen kann, Abhängigkeiten zu reduzieren, erläutert unser Beitrag „Vendor Lock-in vermeiden: Open Source als Risikominimierung“.
Auch die Wirtschaftlichkeit einer Software sollte über den gesamten Nutzungszeitraum betrachtet werden. Neben Lizenz- und Einführungskosten zählen dazu Betrieb, Wartung, Anpassungen, Support, Preisänderungen und eine mögliche Migration.
Open Source eröffnet dabei die Chance, Kosten und Leistungen transparenter zu gestalten, den Wettbewerb zwischen Dienstleistern zu erhalten und Investitionen langfristig abzusichern. Welche Lösung im konkreten Fall am wirtschaftlichsten ist, muss anhand der Gesamtkosten und des tatsächlichen Bedarfs bewertet werden.
Eine Open-Source-Lizenz schafft wesentliche Voraussetzungen für Transparenz, Prüfbarkeit und Gestaltungsfreiheit. Ihr volles Potenzial entfaltet sie im Zusammenspiel mit einer offenen und nachhaltig betreibbaren technischen Infrastruktur.
Bei der Bewertung einer Lösung sollten deshalb neben der Lizenz auch weitere Eigenschaften betrachtet werden:
Open Source ermöglicht es öffentlichen Auftraggebern, zentrale technische Eigenschaften unabhängig zu prüfen oder prüfen zu lassen und langfristig Einfluss auf die eingesetzten Systeme zu behalten. Damit bietet es eine starke Grundlage für eine souveräne, resiliente und zukunftsfähige öffentliche IT.
Öffentliche Beschaffung prägt digitale Strukturen häufig über viele Jahre. Die festgelegten Anforderungen entscheiden mit darüber, wie sicher und flexibel Systeme weiterentwickelt werden können, ob Daten dauerhaft zugänglich bleiben und welche Wahlmöglichkeiten zwischen Anbietern und Betriebsmodellen bestehen.
Open Source bietet dafür weit mehr als ein alternatives Lizenzmodell. Es stärkt Transparenz, Wettbewerb, Interoperabilität und die unabhängige Weiterentwicklung digitaler Infrastruktur. Damit schafft Open Source zentrale Voraussetzungen für eine souveräne und nachhaltige öffentliche IT.
Entscheidend ist, diese Potenziale in konkrete, verhältnismäßige und nachvollziehbar dokumentierte Anforderungen zu übersetzen. So wird digitale Souveränität nicht nur zum politischen Ziel, sondern zu einem überprüfbaren Bestandteil der Beschaffung.